Karneval Fasching Fastnacht

Karneval in Deutschland
Fünfte Jahreszeit. Karneval in Deutschland

 

„Laterne, Laterne Sonne, Mond und Sterne!“

Solche und ähnliche Lieder singen Kinder, wenn sie mit einer bunten Papierleuchte in der Hand durch die Straßen ziehen. Ihre Laterne haben die Knirpse Wochen zuvor in ihren Kindergärten liebevoll selbst angefertigt. Natürlich standen ihre Betreuer_Innen ihnen helfend zur Seite, aber bewaffnet mit einem Klebestift haben die Kleinen ganz alleine die Sterne, Herzen oder Monde auf das Papier geklebt. Deshalb tragen sie auch zu Recht voll Stolz das Licht ihrer Laterne durch den kalten Novemberabend. Doch sie sind nicht alleine. Neben ihren Kindergärtner_Innen und Eltern begleitet sie auch ein Mann hoch zu Roß, bei dem es sich um niemand geringeren als Sankt Martin persönlich handelt. (Naja oder so ähnlich.) Aber warum verkleidet sich ein erwachsener Mann als ein Heiliger aus dem tiefsten Mittelalters? Nur um den Knöpfen eine Freude zu machen? Damit die erschöpften Betreuer_Innen sie mit dem Basteln eines Papierlampenschirmes beschäftigen können? Der Legende nach war der spätere Heilige ein Ritter aus Frankreich, der aus Barmherzigkeit in einer eisigen Nacht seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Der Bettler, der von der Gesellschaft und jeglichen Formen ziviler Hilfe ausgeschlossen war, offenbarte sich später Martin gegenüber als niemand geringeres als Jesus Christus persönlich. Bevor Martin diese Offenbarung zuteil wurde, wurde er selbst für seine selbstlose Tat von seine Vorgesetzten bestraft. Denn nicht einmal ein Ritter durfte einen Mantel zerstören, dass nannte man schon damals Sachbeschädigung öffentlicher Mittel, mit der obendrein das Ansehen der Institution ‚Militärs‘ geschmälert wurde. Welche Lehre sollen aber nun die Kinder aus dieser Geschichte ziehen? Die Knirpsen sollen so wohl in erster Linie mit Mitgefühl und Menschlichkeit in Kontakt gebracht werden.Die Abstraktheit übernatürlicher Phänomene erscheinen am geeignetsten, um solche komplexen Vorstellungen angemessen zu vermitteln. Für die Kinder geht die abendliche Wanderung nach der Mantelteilung weiter zu einem großen Lagerfeuer, wo auch schon Punsch, Martinsbrot (was es zu dieser Zeit bei einigen Bäckern der Republik zu kaufen gibt) auf sie wartet. Denn ein Feuer wärmt mindestens genauso gut wie ein halber Mantel.

11.11 – eine Schnapszahl, die es in sich hat.

Was für Karnevalisten aus dem Rheinland den Beginn der fünften Jahreszeit symbolisiert, heißt für Chinas Paketdienste die stressigste Zeit des Jahres. Im Reich der Mitte ist der 11. November auch ein besonderer Tag. Die aufeinander folgenden Einsen symbolisieren für die Chinesen das Alleine bzw. Single Dasein, weshalb die vier Einsen Konstellation zum Tag für Singles deklariert wurde.Und was kann über die Einsamkeit am besten trösten? Grenzenlos Shoppen! Der Ursprung dieses ganz besonderen inoffizielle Feiertag lässt sich in die neuere Vergangenheit zurückverfolgen, besser gesagt in die 90er des vergangenen Jahrhundert. An diesem Tag feierten die Studenten Karaokepartys, mit oder ohne dem Hintergedanken die Party am Ende doch nicht alleine zu verlassen. Aber mit der Möglichkeit des Internet selbst hat sich dieser unschuldige Feiertag zu etwas Unerwartetem (oder auch nicht) entwickelt, nämlich dem größten Onlineshopping Tag im chinesischen Internet. Die Kommerzialisierung ist uns bereits von Schokoweihnachtsmännern im Oktober und bunt gefärbten Eiern im März bekannt. Aber in China werden vor allem junge Chinesen im Web mit Rabatten überhäuft, wodurch sich der Tag der einsamen Herzen zu einer Möglichkeit entwickelt hat, diese Einsamkeit mit Kleidung, Bücher, Make Up, Computerspielen oder aller Hand anderer nützlicher Alltagsgegenständen zu füllen. Die Verkaufszahlen schnellen in die Höhe und die Geldbeutel leeren sich. Schade nur, dass auch nicht deutsche Singles, Pärchen haben selbstverständlich keinen Grund die online Shoppinghäuser zu plündern, in diesen Genuss kommen. So bleibt uns wohl nichts anderes übrig als zum all bewerten Mittel zu greifen, mit dem man seit jeher Enttäuschungen gelindert werden. Zum Glück gibt es ja bereits überall Weihnachtsmänner zu kaufen und sobald die aus sind, können wir auf die Schokoherzen des Valentinstages zurückgreifen.

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